
Martin Piekar (Löwe)
Schatzkarte
berühre mich
doch sei vorsichtig
du hinterlässt die Spur
auf meiner Haut
wenn niemand sieht
was auf mir geschieht
es heilt mich keine Uhr
es bleibt
auf meiner Haut
du zeichnest Flüsse
und Hochgebirge
die Küste und das Meer
mit deinem Stift
der wässrig ist
den ich so sehr betör
du zeichnest eine Welt
die deine ist
und mir vollkommen fremd
du baust auf mir ein Zelt
welch deines ist
und dich vom Leben trennt
verfremdest mich
und ich erkenne uns
im Spiegel zweierlei
denn ich bin ich
und deine Karte
ich weiß, bin ich auch frei
hast du auf mir gemalt
hast mich gezeichnet
als deines
du bist auf mir gewandert
und ich wusste doch
du wirst
-
nicht meines
Dorn
Ein Dorn in meinem Finger,
der zeigt wie ich mich fühl´,
der weist mir viele Flüsse
mit Quell doch ohne Ziel
Der Dorn ist schön und schmerzhaft
er deutet viele Wege,
die ich so gerne schaue;
so gern auf ihnen flöge
Ein Dorn, nur aus Gedanken
der wirklich, leidlich fügt,
der mich realisiert;
so absolut verbiegt
Ein Dorn als meinen Freund
so ehrlich und fürwahr,
den man auch nur erkennt
in eigener Gefahr
Der Dorn, der in mich eindringt
vergeht an Illusion
und eines Tages dann
bin ich auf seinem Thron
Ein Dorn, er wird mich krönen
als König meiner Schulden
er wird mich hoch erheben
und du wirst es erdulden
dorn
ein dorn in mîn vinger
der zeiget mîn troun,
wo wazzer qual unde
kein zil is dem stroum
in smerzender schœne
er diutet mîn wege
bime schouwen ich troumte
ich vluge diu strecke
der dorn het kein lip
niemer kunt stechen
mîn vleischheit beziuc
umbe sich rechen
ein dorn, mîn geselle
so êrlîcher vrunt
Ich erkenne sîn triwe
in gevar er sich scunt
in mîn lip eingeborn,
stürbt er von welt
wirt han mînen corper
uf sînen trone gestelt
der dorn wirt mîn krone
als künic geschult
bin einst ich erhoben
und ler dich gedult
(ins Mittelhochdeutsche übersetzt von Maximilian Wick)











